Reis und Bohnen und ¡Pura Vida!

Posted by Tobi Sun, 13 Mar 2011 20:26:00 GMT

¡Pura Vida! ist für die Costa-Ricaner, was das "Aloha" für die Hawaiianer ist. Frei übersetzt bedeutet es so viel wie "das wahre Leben" und davon gibt es in dem kleinen Zentral-Amerikanischen Land zwischen Karibik und Pazifik reichlich!

Zwei Wochen war ich in Costa Rica unterwegs. Da ich mich sehr kurzfristig dazu entschlossen hatte, allerdings mit einer Reisegruppe statt auf eigene Faust.

Bei Marco Polo stand die Reise aus dem "Young Line Travel"-Katalog unter dem Motto "Eins mit der Natur" und die Beschreibung versprach ein paar spannende Erlebnisse. Vor Ort wurde die Rundreise von der Amadeus Travel Agency durchgeführt.

Schlafende Vulkane

Vom Flughafen in San José ging es ohne Umweg direkt zum ersten Vulkan. Nach einer kurzen Fahrt im klimatisierten Bus, der uns für den Rest der Reise begleitete, kamen wir nach einem kleinen Spaziergang am Kraterrand des 2708m hohen Poás an. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Nur die Rauch des Vulkans selbst hat den Blick in den Krater vernebelt.

Im weiteren Verlauf der Reise wanderten wir dann auch noch ein kurzes Stück zum Fuß des Vulkan Arenal, der uns ebenfalls bei bestem Wetter einen Blick auf den rauchenden Gipfel erlaubte.

Momentan sind die Vulkane in Costa Rica allerdings relativ ruhig, sodass von der "rot glühende Lava bei Nacht", wie in der Reisebeschreibung angepriesen, nichts zu sehen war. Aber so vorhersehbar sind solche geologischen Naturphänomen nun mal nicht - genauso wenig wie die tragisch Naturkatastrophe in Japan, die sich während meiner Rückreise von Costa Rica ereignete. Auch für Costa Rica gab es kurzzeitig eine Tsunami-Warnung, aber glücklicher Weise hat dieser die Küste nicht erreicht.

Am ersten und letzten Tag in San José hatten wie auch Gelegenheit, Nachmittags die Hauptstadt des Landes und den Zentralmarkt zu erkunden. Viele Menschen, geschäftiges Treiben - nur der viele Verkehr und Smog passen so gar nicht in das Öko-Image von Costa Rica.

Natur pur

Am zweiten Tag ging es raus aus der Stadt nach Trotoguero an der Karibikküste. Tortuguero ist ein riesiger Nationalpark mit einer Vielzahl von Flüssen und Sumpfgebieten. Ziel war die nur via Boot zu erreichende Turtle Beach Lodge mitten im Urwald und direkt am Strand. Der scheinbar unendlich lange Strand lädt zum ausgedehnten Strandspaziergang ein. Schade nur, dass dort sehr viel Müll angeschwemmt wird. Das Baden im Meer ist dort nicht empfehlenswert, da mit starken Strömungen und Haien zu rechnen ist.

Viel interessanter war ohnehin die üppige Flora und Faune des Regenwaldes. Auf zwei Bootstouren gab es Kaimane, jede Menge Vögel, Leguane, Schildkröten und Affen zu sehen. Im Sumpf direkt hinter der Hotelanlage machte ich Bekanntschaft mit Moskitos und winzigen Pfeilgiftfröschen.

Ansonsten konnte man dort auch am Pool oder in der Hängematte einfach mal die Seele baumeln lassen. Das Essen war ebenfalls gut: "Gallo Pinto" (Reis mit schwarzen Bohnen) zum Frühstück, Reis mit Bohnen zum Mittag, Reis mit Bohnen zum Abendessen...

Dieses typische Nationalgericht hat uns dann auch fast täglich für den Rest der Reise begleitete. Variiert wird es mit Fleisch, Fisch, diversen Gemüsen, Maniok und Palmherzen. Und meist gab es dazu auch die leckeren in dünnen Scheiben gebratenen Kochbananen. Wer mochte konnte das ganze mit einer "Salsa Lizano" verfeinern - einer leckeren Sauce von der ich mir gleich drei Flaschen mitgenommen habe. Außerdem gab es immer frische Früchte (Ananas, Mango und Papaya schmecken dort sehr viel besser als das unreife Zeug was wir meist hierzulande bekommen!) und verschiedenste Säfte (Batidos). Speziell der Batido de piña - ein Ananassaft mit deutlich mehr Ananas als Wasser - wird mir sehr fehlen! Probleme mit dem Essen gab es nie und auch das Leitungswasser war fast überall trinkbar - anders als man das vielleicht von Mittelamerika erwarten würde.

Beeindruckend fand ich überall in Costa Rica außerhalb der Stadt auch immer die Geräuschkulisse. Wir waren fast immer irgendwie mehr oder weniger mitten im Urwald und diverse Grillen, Frösche, Vögel und Brüllaffen können dort einen ziemlichen Lärm machen, bei dem ich allerdings erstaunlich gut schlafen konnte.

In unserer ersten Nacht in Tortuguero haben wir auch gleich Bekanntschaft mit einem echten tropischen Regenguss gemacht - als ob man direkt unter einem Wasserfall schläft. Trotz Trockenzeit regnet es in diesem Teil von Costa Rica fast täglich (meist Nachts und Vormittags).

Bei den Bribri Indianern

Nach zwei Tagen im Tortuguero Nationalpark fuhren wir mit dem Boot zurück zum Bus und dann weiter Richtung Panama zum Talamanca Gebirge. Nach einem kurzen Gepäckwechsel ging es dann mit Einbaumkanus wieder mitten in den Regenwald hinein zu den Bribri-Indianern (die ganz schön zu tun hatten uns Häufchen Touris den Fluss hinauf zu befördern, der gerade stellenweise wenig Wasser führte).

Die Bribri sind ein indigener Stamm der in Costa Rica und Panama lebt. Neben dem Anbau von Kakao und Bananan ist der Tourismus dort seit einiger Zeit fester Bestandteil ihres Einkommens.

Die Siedlung in der wir die nächsten Tage verbracht haben, ist bis auf ein Satellitentelefon und den Weg über die Flüsse von der Außenwelt weitestgehend abgeschottet. Ein kleines Solarpanel liefert Strom für ein wenig Licht am Abend, denn schon ab 18:00 Uhr ist es in Costa Rica dunkel.

Das Leben dort ist fast so, wie man sich das vorstellt - Hütten mit Dächern aus Palmenblättern oder einfache Holzhäuser, es wird Geflügel gehalten und vieles wird selbst angebaut. Übernachtet haben wir in einer 3-stöckigen Hütte in der es unten 3 Zimmer mit Betten und Dusche/WC gab und oben wurden Moskitozelte mit einer einfachen Matratze aufgestellt. Praktisch war das wie Schlafen direkt im Regenwald und morgens wurde man vom Hahn geweckt - ich fand das gut!

Der Dorfälteste zeigte uns wie Kakao angebaut und verarbeitet wird (lecker!), wie man die Dächer flechtet und mit Pfeil und Bogen schiesst.

Einen Trip durch den Regenwald mussten wir leider vorzeitig abbrechen, da durch den starken Regen ein kleiner Fluss den Weg versperrte. Immerhin haben wir es bis nach Panama geschafft und hatten dann noch Gelegenheit im Fluss zu baden.

Auch auf dem Rückweg von den Bribris hat uns der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es regnete in Strömen und die Rückfahrt über den Fluss, der nun viel mehr Wasser führte, war doch schon ein bisschen abenteuerlich.

Zu unserem Pech war dann auch noch der Weg zurück zum Bus durch einen nicht ganz ungefährlichen kleinen Fluss abgeschnitten. Aber unsere Reiseleiterin (wahrscheinlich die beste, die man in Costa Rica bekommen kann - Vielen Dank Sabine!) hat es geschafft noch ein Boot zu organisieren, dass uns noch weiter Fluss abwärts gebracht hat.

Am Ende waren wir alle bis auf die Haut nass, wovon einige vielleicht nicht wirklich begeistert waren, aber ich fand es war ein tolles Erlebnis. Wenn man im Regenwald trocken bleibt hat man irgendwas falsch gemacht!

La Fortuna und Monteverde

Zurück Richtung Norden nach La Fortuna hatten wir dann auch wieder schönsten Sonnenschein und vom Hotel aus einen freien Blick auf den rauchenden Arenal. Nach einem Grillabend im Hotelrestaurant ging es am nächsten Tag erstmal zum optionalen Rafting - unbedingt mitmachen! Zu sechst im Schlauchboot ging es nach kurzer Einweisung den Rio Balsa (Klasse 2/3) hinab. Und wer nicht von alleine aus dem Boot gefallen ist, durfte auch mal freiwillig reinspringen und sich ein Stück treiben lassen.

Zum Entspannen dann noch Abends ein Bad in den heißen Quellen und weiter ging es zum Vulkan Tenorio. Von dort konnte man bis nach Nikaragua schauen und es gab eine kleine Wanderung über wacklige Hängebrücken durch den Regenwald. Am nächsten Morgen ging es dann zur einzigen etwas längeren Wanderung der Rundreise - zum Río Celeste. Mineralien färben den Fluss türkis-blau - ein hübsch anzusehendes Naturschauspiel.

Danach fuhren wie weiter nach Monteverde, wo als erstes mal Canopy auf den Plan stand. An bis zu 1000 m langen Drahtseilen saust man da zwischen den Baumwipfeln durch den Nebelwald. Viel zu sehen bekommt man dabei nicht unbedingt, aber Spaß macht es schon. Dafür ging es dann noch gemächlich zu Fuß über mehrere stabile Hängebrücken durch den Nebelwald wo man sich dann etwas mehr Zeit nehmen konnte alles anzuschauen. Auch Kolibries konnte ich dort zuhauf beobachten.

Sonne und Pazifik

Nach einem Abstecher zu einer kleinen Kaffee-Finca (sehr nette Leute, leckeres Essen und wahrscheinlich auch leckerere Kaffee - bin leider kein Kaffeetrinker) verbrachten wir die letzten Tage an der Pazifikküste in Samara. 28 Grad im Schatten, Baden im Meer, Relaxen am Strand - einen Tag kann man das durchaus mal machen.

Außerdem stand noch eine optionale Delfin-Tour mit einem Abstecher zum Schnorcheln auf dem Programm und am Abend bin ich noch reiten gegangen. Erst hinunter zu einer kleinen Bucht und dann die Hügel hinauf um von dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Sehr schön! Unbedingt mitmachen!

Wer wollte konnte Abends noch die Eiablage der Schildkröten beobachten.

Etwas überschattet wurden die letzten Tage nur, weil bei zweien von uns im Hotel eingebrochen wurde. Uns sind durchweg nur freundliche Ticos begegnet, aber zu sicher sollte man sich wohl nicht fühlen. Aber das ist wohl in jedem Urlaubsland so. Unsere Reiseleiterin Sabine hat aber auch hierbei Beistand geleistet und den beiden bei der Polizei mit der Costa-Ricanischen Bürokratie geholfen.

Am letzten Abend in Samara gab es dann noch lecker Steak und Fisch in einer Grill-Bar am Strand und dann ging es auch schon mit etwas Wehmut zurück nach San José.

Fazit

Es gibt nichts an der Reise was ich bereut hätte. In den zwei Wochen bin ich viel rumgekommen, habe viel gesehen und jede Menge Eindrücke gesammelt. Sabine war eine tolle Reiseleiterin und unser Fahrer mit einem Faible für 80'er-Jahre-Musik hat uns immer pünktlich ans Ziel gebracht.

Gerne hätte ich mehr Zeit bei den Bribris verbracht und mehr Ausflüge zu Fuß unternommen. Die Wanderungen waren durchweg alle sehr leicht und ich hätte mir da durchaus auch ein paar anspruchsvollere Touren gewünscht. Aber bei eine Gruppenreise muss man da halt ein paar Abstriche machen.

Costa Rica ist auf jeden Fall den langen Flug wert und gerne würde ich nochmal dorthin zurückkehren um all das zu sehen, was in den zwei Wochen nicht möglich war.

¡viva la pura vida!

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