So langsam nimmt der Ofen Form an. Inzwischen ist der Backraum aus Schamottesteinen fertig und der Ofen wartet im Prinzip schon auf das erste kleine Feuer.
Das Schamottegwölbe
Für den Backraum habe ich insgesamt 83 Schamottesteine im Format 250x124x64 sowie drei Sack Schamottemörtel à 25 kg verbraucht. Zusammen mit sechs Backofenplatten à 280x280x55 hat mich das immerhin die stolze Summe von fast 400 Euro gekostet. Der einzige Baumarkt, der Schmottesteine im Angebot hatte, war Globus. Dort kostete ein Stein in obigem Format ca. 2,30 Euro. Was genau das für ein Schamotte war, konnte mir jedoch keiner sagen. Daher bin ich letztendlich auch beim netten Ofenbaumeister Lindner um die Ecke in Crock gelandet. Der schwört auf österreichische Schamottesteine der Firma Rath in RHS-Qualität. Qualität hat, wie könnte es auch anders sein, jedoch ihren Preis, der in diesem Fall mit etwa 2,76 Euro zu Buche schlägt. Da ich beim Kernstück des Backofens jedoch nichts riskieren wollte, habe ich in den sauren Apfel gebissen und bin dem Rat des Fachmanns gefolgt.
Bevor die ersten Schamottesteine gesetzt werden, sind jedoch erstmal zwei Reihen Klinkersteine dran. Diese bilden die Einfassung für das spätere Sandbett, auf welches die Schamotte-Bodenplatten aufgelegt werden.Die Klinkersteine werden direkt auf die Betonplatte gemauert. An den Seiten geben im Beton verschraubte Winkeleisen zusätzlichen Halt. Die unterste Reihe kann noch mit normalem Mörtel gemauert werden, bei der nächsten sollte schon der hitzebeständigere Schmottemörtel verwendet werden.
Sind die untersten zwei Reihen Klinkersteine gesetzt, gilt es zunächst ein Stützskelett für das spätere Backraumgewölbe zu bauen. Entsprechend der Backraumwölbung werden dazu zwei Halbkreise aus Holz (z.B. aus den Resten der Verschalung für die Betonplatte) zugeschnitten. Diese bekommen je zwei Dachlatten als Standfüße. Weitere Dachlatten werden auf die Halbbögen genagelt und die Konstruktion wird zwischen den zwei Klinkerreihen ausgerichtet und fixiert. Zu beachten ist, dass man diese Holzkonstruktion später auch wieder entfernen muss. Die Standfüße am besten also nur mit Holzschrauben verbinden, die später leicht gelöst werden können.
Ein Bogen besteht aus genau 18 Steinen, wobei die untersten zwei Reihen noch senkrecht aufeinander stehen, bevor der Bogen beginnt. Die Schamottesteine werden so verbaut, dass eine 124 mm starke Backraumwand entsteht. Wie schon bei den Klinkersteinen, wird auch hier versetzt gemauert, sodass neun Steine zunächst halbiert werden müssen. Schlitzt man die Schamottesteine rundherum mit einer Flex und Diamanttrennscheibe an, so kann man sie mit einem breiten Meißel vorsichtig zerteilen. Besser ist es natürlich, man zerschneidet sie komplett, falls das nötige Equipment zur Hand ist.
Beim Mauern des Gewölbes ist darauf zu achten, dass die Längskanten der Steine in der Mitte aneinander stoßen. Die Stoßfugen sollten möglichst klein gehalten werden - ca. 5 mm. Da die Lagerfugen auf der Außenseite mehr als 2 cm breit sind, sollten kleine Ziegelsplitter reingedrückt werden, die zum einen mehr Stabilität geben und zum anderen dadurch Mörtel gespart wird. Dieser sollte laut Verpackung übrigens nur bis max. 7mm Fugenbreite eingesetzt werden. Ein Grund mehr also, die breiten Lagerfugen mit Ziegelstückchen etwas auszufüllen.
An der Frontseite werden in die Lagerfugen Drahtschlingen mit eingemauert. Die heraus schauenden Enden werden dann später in die Fugen der Frontmauer eingemauert.
Die obersten zwei Stein auf der Vorderseite werden zunächst weggelassen. Hier soll später der Schornstein eingepasst werden. Ist der Gewölbebogen fertig, kann nach zwei bis drei Tagen die Innenverschalung entfernt werden. Nun kann auch die Rückwand zugemauert werden. Die Steine werden wieder so gesetzt, dass eine 124 mm starke Wand entsteht.
Jetzt kann der Boden auch schon mit Sand aufgefüllt werden und die Bodenplatten können verlegt werden. Ist die Vorderseite erstmal bis auf den kleinen Eingang zugemauert, ist das Verlegen der Platten etwas schwierig.
Die Schmatotteplatten werden einfach lose und auf Stoß auf des Sandbett gelegt und mit der Wasserwaage ausgerichtet. Dadurch, dass die Platten nicht fest eingemauert werden, ist es später leichter, einzelne Platten auszutauschen, falls das mal nötig sein sollte. Außerdem können die Platten so etwas arbeiten, was Rissen und Sprüngen durch die große Hitze vorbeugt.
Der verbleibende Spalt am hinteren Ende wird durch entsprechend zugeschnittene Rester der Schamottesteine aufgefüllt.
Der Schornsteinansatz
Für den Schornstein muss zunächst ein starkes Eisenrohr mit einem Innendurchmesser von mind. 120mm und einer Wandungung von mind. 3 mm gefunden werden. Das Rohr muss nicht lang sein, denn es wird später durch normales Ofenrohr verlängert.
Eine eingebaute Klappe mit einem entsprechend langen Hebel, erlaubt es, das Rohr zu verschließen. Seitlich angeschweisste Stützstreben lassen das Rohr auf dem Schamotte aufliegen, sodass es problemlos in den Bogen mit eingemauert werden kann.
Die Ofentür
Der Bau einer Ofentür kann recht aufwendig sein, man sollte daher die Alternative, sich eine fertige Ofentür zu kaufen, in Betracht ziehen. Andernfalls könnte eine mögliche Variante z.B. so aussehen:
Ein aus Winkeleisen geschweißter Rahmen bildet den rechteckigen Türrahmen. In den Rahmen eingeschweißte Laschen, verankern diesen in den Mauerfugen. An der Seite können dann z.B. alte Türscharniere angeschweißt werden. Das Türblatt besteht aus einer 5 mm starken Stahlplatte. Dies wird so zurecht geschnitten, dass sie oben einen Bogen hat - muss nicht sein, sieht aber netter aus. Auch hier werden die Scharniere angeschweißt oder, wenn möglich, angeschraubt.
Innen wird das Türblatt mit einer oder mehreren Schamotteplatten verstärkt. Diese werden mit angeschweißten Winkeln fixiert. Bei mir musst die alte Backofenplatte für 15 Euro dran glauben, mit der ich bisher versucht habe im Elektroherd etwas "Steinbackofen-Flair" zu erzeugen (was aber nicht wirklich funktioniert hat).
An der Unterseite der Tür werden Löcher gebohrt, durch welche später Frischluft in den Ofen kommt. Ein Flacheisen mit der gleichen Anzahl Löcher wird als Schieber innen oder außen angebracht, sodass durch seitliches Hin- und Herschieben die Sauerstoffzufuhr reguliert werden kann.
Außerdem bekommt die Tür noch eine runde Aussparung, durch die das Thermometer zu sehen ist. Ich habe ein 30 cm langes Kamin-/Rauchgasthermometer (bis 500°C) eingebaut, welches bei eBay schon für 17 Euro zu bekommen ist.
Ausblick
Die nächsten Punkte auf dem Arbeitsplan sind das Fertigstellen der Tür und das erste Anfeuern. Fertig getrocknetes Buchenholz für 60 Euro pro Palette habe ich schon im Unterbau des Ofens eingelagert. Damit das Holz nicht durch Kondenswasser zu feucht wird, sorgen von schräg unten nach oben gebohrte Löcher auf der Rückseite für etwas Durchlüftung.
Material
- 85 x Hafnerziegel rau NF (250x124x64) RHS - ca 240 Euro
- 3 x Rath Versetzmörtel "Universal Super", mittlere Körnung 2-3mm - ca. 90 Euro
- 6 Backofenplatten 280x280x55 - ca. 70 Euro
- 3 x 25 kg / 20 l Sand
- Dachlatten
- Diverses Stahl-Material für die Ofentür
- Klinkersteine
- Draht